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SY Pitufa

Unser Segelboot “Pitufa” (Spanisch für Schlumpfine) wurde 1988 in Brisbane, Australien nach Plänen der berühmten Boots-Designer Sparkman & Stephens gebaut. Sie ist aus Aluminium gefertigt: 5 mm auf Deck, 6 mm unter der Wasserlinie (zumindest original, der Kiel hat nun 6 mm + weitere 5 mm).

Die robuste Konstruktion mit einem mittellangen Kiel, einem Skeg und einem Mittelcockpit macht sie zu einem ausgezeichneten, sicheren Blauwasserschiff. Die bestehende technische Ausrüstung wurde in den Jahren nach dem Kauf laufend erweitert. Dennoch versuchen wir, sie nicht mit zuviel technischem Schnickschnack zu überladen, also ganz nach dem Motto `Was man nicht hat, kann auch nicht kaputt gehen’.

Länge: 41′
Breite: 3.88 m
Tiefgang: 2 m
Verdrängung: 13 t
Wassertanks: 3x 250 l urspruenglich, 1 Tank ist jetzt Stauraum
Dieseltank: 1x 250 l
Motor: 70PS Yanmar
Takelung: Slup/Kutter

Segel

2 Genuas (alt und neu)
1 Yankee
1 Kuttersegel
1 Gennaker
1 Sturmfock
2 Großsegel (alt und neu, das neue durchgelattet)
1 Trisegel

Strom- und Wasserversorgung

Batterien:
3 x 100Ah 12V offene Blei-Säure-Batterien für das Bordnetz (brauchen regelmäßig Wasser)
1 x wartungsfreie Gr-27 12V Batterie für Starter (und Ankerwinde)
DCC4000 Batterie-Monitor

Laden:
Sonne: 2x75W + 3x50W + 3x30W (in Summe 390W Spitzenleistung) Solarpanele
Wind: Rutland 913
Diesel: 80A Lichtmaschine + Sterling AB12160 Booster
Landstrom: Sterling 30A Ladegerät “International” (110V und 220V)

Inverter:
+ Sinergex PureWatts 1kW 230V (Rechteck)
+ Cobra CPI480 400W 115V (Rechteck)
– Sterling ProPowerQ 1kW 230V (Rechteck) … Dieses Gerät können wir nicht weiterempfehlen: wurde sehr laut (Lüfter) nach ein paar Monaten, machte große Erdungsprobleme und verstarb ca. nach 1 Jahr (beim Laptop-Laden…)
– PowerBright 900W 220V (Rechteck) … der einzige 220V-Inverter den wir in Suriname finden konnten, doch gleich 2 von diesen brannten innerhalb 1 Monats durch (der erste als ein 100W-Lötkolben angesteckt war und der zweite mit unserer 400W-Bohrmaschine).

Wassermacher:
PureWater Seastar 250 mit 12V-DC-Motor und 2 kurzen Membranen.

Zieht 18A und produziert 25-30 l/h. Unser ursprünglicher Plan war, den Wassermacher nur bei laufendem Schiffsmotor zu betreiben. Es stellte sich aber heraus, daß dies nicht notwendig ist. Unsere Solarpanele und der Windgenerator können mittags meist genug Strom produzieren, um den Wassermacher für 1-2 Stunden laufen zu lassen.

Reparaturen in Kroatien zwischen 2009 und 2011

Als wir nach unserem ersten Segeltörn die Bilge gründlich putzten, fiel uns ein weißes Pulver auf. Salz? Leider nein, das im Kiel unserer Pitufa gelagerte Blei hatte mit dem Aluminium-Rumpf reagiert. Anders als der rote Rost bei Stahlschiffen ist Korrosion bei Aluminium unscheinbar weiß und deshalb umso heimtückischer. Auch dem Gutachter auf Mallorca war sie trotz eingehender Begutachtung samt Ultraschalluntersuchung entgangen. In Kroatien stellte sich heraus, dass die Lochkorrosion sich durch 6 mm Aluminium ganz nach außen gefressen hatte. Wir waren am Boden zerstört und unser ganzes Unternehmen war in Gefahr. Punktuelle Reparaturen mit dem Restrisiko eines Kielbruchs kamen vor einer Weltumsegelung nicht in Frage. Nur eine zusätzliche Ummantelung des gesamten Kiels mit Aluminiumplatten konnte unsere Pitufa noch retten.

Der Umfang der Reparatur schreckte erst alle Firmen ab, an die wir uns wandten, doch Klaudio Krivičić von Lumbrico d.o.o. nahm sich unseres Problems an, organisierte Schweißer und stand uns auch bei allen weiteren Reparaturen mit Rat und Tat zur Seite. Mittlerweile hatte sich nämlich herausgestellt, dass auch die Alu-Wassertanks innen korrodiert und das Teak im Cockpit verrottet war. Während sich also draußen die Schweißer um den Kiel kümmerten, begannen wir die Arbeit an den übrigen “Baustellen”. Klaudio besuchte uns oft während der Arbeit und seine Reaktion war meistens die gleiche: er lachte, nahm uns das jeweilige Arbeitsgerät aus der Hand und zeigte uns wie man es richtig machte, bevor wir weitermachen durften. Das war nicht immer angenehm für’s Ego, aber sehr lehrreich.

Nach einigen bangen Wochen an Land durfte unsere Pitufa dann stärker denn je wieder zurück ins Wasser. Trotz der umfangreichen Ausstattung, die bereits beim Kauf vorhanden war (Windfahne, Radar, etc.) kamen noch diverse neue Projekte auf uns zu. Ein Geräteträger am Heck, eine Badeleiter, weitere Solarpanele, ein Windgenerator, ein neuer Kühlschrank, ein Watermaker, ein Satz neuer Segel der kroatischen Firma a href=”http://www.dustomsails.com” target=”_blank”>Dustom d.o.o. (http://www.dustomsails.com) und andere Gerätschaften folgten. Für jeden abgehakten Punkt auf unserer To-Do-Liste kamen zwei weitere dazu.

Nun sind wir unterwegs, doch die Arbeit an den größeren und kleineren Verbesserungen geht weiter. Wir ernten in so mancher Bucht erstaunte Blicke von anderen Yachten, wenn wir Flex, Multitool und Bohrmaschine auspacken. Es wird uns sicher weiterhin immer wieder etwas auf- oder einfallen, was wir an unserer Pitufa reparieren oder ändern können – langweilig wird uns also sicher nicht.

Reparaturen in Grenada 2012

Nach einem Jahr im Wasser hatte Pitufa dringend einen neuen Anstrich Antifouling noetig, das Hempel Alusafe, das wir in Kroatien aufgebracht hatten, wurde mit dem Getier in karibischen Gewaessern absolut nicht fertig (obwohl wir woechentlich Muscheln und Algen manuell abschabten). Ausserdem wollten wir checken, warum unsere Lenkung immer steifer wurde. Auf der Atlantikueberfahrt quietschte sie schon so furchteinfloessend, dass wir uns nicht mehr viel weiter wagen wollten, ohne den Grund herauszufinden. Wir verglichen also Werftpreise in Grenada, den ABC Inseln und Kolumbien und entschieden uns schliesslichen zum Kranen in der Grenada Marine in St. David's Harbour im Suedosten von Grenada. Diese bietet nicht nur vernuenftige Preise, sondern erlaubt Yachties auch, selbst am eigenen Boot zu arbeiten. Grenada Marine stellte sich als Gluecksgriff heraus, weil wir am Trockenen bald viele weitere Probleme entdeckten. Hier gibt es naemlich versierte Handwerker in verschiedensten Fachgebieten, die alle Arbeiten professionell erledigten.

Wir hoben Pitufa am 17. April 2012 aus dem Wasser und begannen sofort die Arbeiten an unseren beiden Hauptprojekten: Ruder und Antifouling. Um das Ruder abnehmen zu koennen, musste Christian erst den Skeg abmontieren - keine leichte Aufgabe, wenn die Bolzen hinter einer dicken Schicht Filler versteckt sind.

Nachdem er die Bolzen mit der Flex ausgegraben hatte, ging der Skeg relativ leicht runter, doch der Ruderschaft steckte so fest im Lager, dass schwerwiegende Massnahmen noetig waren. Nach einem halben Tag Haemmern, Schieben und Ziehen war es endlich herunten und das Problem wurde sichtbar: ein aufwaendiges, doppeltes, selbstausrichtendes Rollenlager. Der Chef der Mechaniker fand schnell eine einfachere, stabiliere Loesung: Delrin Lagerbuechsen. Das Heraushebeln des alten Lagers erforderte aber noch einmal einiges an Brutalitaet...

Einem der Mechaniker fiel auf, dass das Gummilager an der Welle zu viel Spiel hatte, wir wechselten also auch dieses.

Waehrend Christian mit dem Ruder beschaeftigt war, ging ich mit einem Exzenterschleifer den Muschelresten und dem losen Antifouling auf Pitufas Rumpf an den Kragen. Es ist nicht so leicht ein effektives Antifouling fuer ein Aluminiumboot zu finden und letztendlich entschieden wir uns fuer Seahawk Biotin Plus und hoffen, dass das ein paar Jahre Schutz bietet. Immerhin trugen wir 7 Gallonen (= 26.5 Liter) von diesem Zeug auf! Nachdem Antifouling recht giftig ist, verbesserte ich mein Outfit mit jedem Tag.

Wir erledigten nebenbei noch mehr kleinere Reparaturen und besserten den Lack aus.

Eines der Klemmen der Oberwanten hatte einen Riss, wir liessen deshalb beide tauschen. Wir nutzten die Gelegenheit so viele Bootsexperten auf allen Fachgebieten versammelt zu haben und liessen den Rigger unser stehendes Rigg pruefen. Die neuen Wanten waren gleich am naechsten Tag fertig (Freitag), wir sahen uns schon wieder im Wasser und freuten uns gleich nach dem Wochenende die Arbeit abschliessen zu koennen. Doch als der Rigger vom Mast herunterkletterte, brachte er niederschmetternde Neuigkeiten mit: er hatte einen etwa 30 cm langen, vertikalten Riss fast oben an der Mastspitze entdeckt. So loszusegeln stand ausser Frage. Wir mussten das Kranen absagen und stattdessen den Mast am Montag ziehen lassen. Die Ungewissheit das ganze Wochenende ueber war nicht gut fuer unsere Nerven. Wuerden sie es schaffen, den Mast zu reparieren?

Am Montag war der Kran gleich fruehmorgens bei uns. Wir machten uns ordentlich Sorgen, aber das Riggingteam hatte den Mast im Handumdrehen herunten und wir bekamen zur Abwechslung einmal gute Neuigkeiten: das Alu rund um den Riss schaute gesund aus und der Schweisser wuerde den Riss ausbessern koennen.

Nun, da wir den Mast schon am Boden hatten, nutzten wir gleich die Chance die alte, broeckelnde Farbe abzuschleifen (das hatten wir uns schon seit Ewigkeiten vorgenommen). Ausserdem wollten wir Maststufen montieren, die wir schon seit Kroatien herumschipperten. Wir entschieden uns dagegen, den Mast neu zu lackieren, weil wir dazu alle Beschlaege abmontieren haetten muessen und Lack auf Alu ohnehin eine aesthetische Massnahme ist. Wir lassen den Mast blank, er wird mit der Zeit unansehnlich grau und fleckig werden, aber das finden wir halb so wild. Es kostete uns trotzdem eine Woche harter Arbeit in der prallen Sonne (ueber 30 Grad, 97 % Luftfeuchtigkeit) den Mast fertig zu machen. Zusaetzlich liessen wir das Vorstag und das innere Vorstag tauschen, weil wir nicht wussten wie alt diese waren und wir haetten sie vor dem Pazifik sowieso tauschen muessen. Warum also nicht gleich jetzt.

Nach drei Wochen (anstatt der erwarteten 10 Tage) war Pitufa bereit, wieder ins Wasser zu huepfen - jetzt in viel schlumpfigerem, blauen Outfit. Die Crew erschoepft, aber gluecklich und bereit wieder Richtung Horizont weiterzusegeln!

7 Kommentare

  1. Herbert&Elfi Jurkowitsch sagt:

    Wir wünschen Euch alles Gute. Auch wir haben ein Alu-Segelboot, allerdings Marke Eigenbau seit 1997. Mit Blei im Kiel haben wir bisher noch keine Probleme gehabt. Schaut vielleicht unter unserer homepage s.o.
    Liebe Grüße
    Herbert&Elfi

    1. Birgit sagt:

      Hi,
      wir haben uns eure Seite angeschaut – was für ein Projekt! Die Yacht ist superschön geworden, wo seid ihr denn derzeit unterwegs?
      Bezüglich Blei: Unser Ballast war ursprünglich auch mit Harz ausgegossen, das ist aber im Laufe der Jahre brüchig geworden, Meerwasser ist dazugekommen und fertig war das Malheur…
      LG,
      Birgit

  2. Catrin & Peter sagt:

    Haben gestern über euren geplanten Törn im Ocean Magazin gelesen… sind auch ein junges Paar und möchten in ein Paar Jahren ebenso die Welt umsegeln.

    Wir werden eure Reise mit Spannung verfolgen, freuen uns auf Berichte und wünschen euch beiden und euerer “Seekatze” nur das Beste und eine wunderschöne Reise!

    Catrin & Peter

    1. Birgit sagt:

      Hi
      gute Idee :)
      Habt ihr schon Boot + Plan oder seid ihr noch beim Lesen und Traeumen?
      Lg
      b

  3. Catrin & Peter sagt:

    Liebe BIrgit,

    wir sind so in der Art dazwischen. Haben ein Boot am Attersee – werden im Herbst ein größeres (ca. 9-12 m) dazukaufen. Beim Thema Weltumsegelung sind wir noch am Lesen und Träumen… und ein bisschen planen – aber v.a. uns von Abenteurern wie euch mitreissen lassen :-)

    Wann geht´s bei euch los?

    lg, Catrin & Peter

    1. Christian sagt:

      hi,
      dann viel spass beim planen! wir sind schon seit einem monat unterwegs – ihr koennt ja mal auf unseren blog (startseite) schauen!
      lg
      c+b

  4. Catrin & Peter sagt:

    hallo ihr beiden..

    seh dein comment erst jetzt – ich lese euren blog immer – ist wirklich informativ und man freut sich immer auf´s weiterlesen.
    gute reise noch!

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