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Panama

Allgemeines

Panama ist ein sehr interessantes Gebiet für Fahrtensegler. Die vielen Archipele und natürlich der Panamakanal ziehen viele Cruiser an. Obwohl wir fast 7 Monate in Panama verbracht haben, konnten wir nur etwa die Hälfte der Segelreviere erkunden.

Unsere Route:
Nachdem wir die Karibikküste Kolumbiens entlanggesegelt waren, klarierten wir Anfang September 2012 in Puerto Obaldia ein, erkundeten 3 Monate die Region Kuna Yala (San Blas Inseln) und blieben dann einige Wochen in Portobelo. Von dort aus organisierten wir die Kanaldurchfahrt und bestellten Unmengen Ersatzteile aus den USA. Wir passierten den Kanal Mitte Dezember und blieben eine Weile in Panama City. Dann verbrachten wir den ganzen Jänner in den Las Perlas (Inselgruppe in der Bucht von Panama), segelten dann im Februar zurück nach Panama City um unsere Bestellungen abzuholen (der Einbau einiger Teile bedeutete auch viel Arbeit am Boot), deckten uns mit Proviant ein und segelten dann im März südwärts zu den Flüssen des Darién.

Wetter

Wir besuchten die San Blas Inseln in der Regenzeit. In dieser Zeit reicht der Passatwind nicht bis Panama hinunter und das Wetter ist durch sonnige Flauten (besonders morgens) und fast tägliche Gewitter mit viel Regen (meist am Nachmittag oder in der Nacht) charakterisiert. Besonders im September waren diese Gewitter sehr heftig. Laut anderen Cruisern gibt es den ganzen Sommer über viele Gewitter, die Regenmenge steigert sich aber in den Herbstmonaten immer mehr. Während wir in Portobelo waren, regnete es manchmal mehrere Tage ohne Unterbrechung…
Sobald wir im Dezember durch den Kanal waren, wurde das Wetter schlagartig besser. Wir hatten meist sonniges, trockenes Wetter und zwar nicht nur, weil sich die Regenzeit dem Ende zuneigte, sondern auch weil das Wetter auf der Pazifikseite generell trockener ist. Von Jänner bis März bläst der Passat zuverlässig, im Golf von Panama meist aus Norden.

Reise-/Segelführer

  • Eric Bauhaus: The Panama Cruising Guide, 4th Edition, 2010. Erhältlich bei den meisten Schiffszubehörshops in der Karibik.
  • Panama City Cruisers Guide, download von der The Southbound Group bei Yahoo! groups oder auf Anfrage von pccguide@yahoo.com, wird regelmäßig aktualisiert.

Navigation

Bauhaus bietet in seinem Segelführer detaillierte Karten zu allen Segelrevieren Panamas. Einige Cruiser haben eingescannte Versionen dieser Karten, die mit Programmen wie OpenCPN oder MaxSea verwendet werden können. Diese Karten sind jedoch nicht fehlerfrei. Einige Riffe fehlen ganz, andere sind falsch eingezeichnet oder einfach verschoben. Man sollte sich also nicht blind auf diese Karten und das GPS verlassen, sondern immer vorher auf Verschiebungen achten, sich mit Hilfe der Karten eine Idee der Umgebung bilden und sich dann mit einem Ausguck am Bug durch die Riffe tasten. Unsere Anmerkungen zur Navigation finden sich weiter unter. Riffnavigation sollte am besten nur bei blauem Himmel mit der Sonne am Zenith oder hinter dem Boot erfolgen. In der Regenzeit bedeutet das manchmal eine mehrtägige Wartezeit bis die Bedingungen gut genug für die Anfahrt des nächsten Ankerplatzes sind. Ein weiteres Problem ist, dass das Meer nahe dem Festland oft trüb ist, wiederum besonders in der Regenzeit.

Kuna Yala, San Blas Inseln

Navigation
Das Archipel der San Blas ist mit Riffen gespickt, offizielles Kartenmaterial existiert nicht. Eric Bauhaus erstellte die Karten unter großem Aufwand selbst, sie enthalten aber FEHLER!
Die Karten der westlichen und zentralen Inseln sind recht genau, also alles westlich von Tupile. Östlich von Tupile sind aber einige Riffe nicht verzeichnet oder an falschen Stellen und einige Inseln, oder ganze Karten sind verschoben. Tiefenangaben sind ebenfalls oft falsch.
Hier sind einige Fehler:
Wir saßen in der Bahia de Masargandi (SO von Ustupu) bei 09°05.214′N 077°52.763′W auf einem Riff auf, genau dort wo die Karte in der Mitte der Bucht eine 15 m Angabe zeigt…
Vorsicht ist um Isla Mono geboten, die Riffe am Eingang reichen wesentlich weiter.
The Bank östlich von den Coco Bandero Cays scheint verschoben zu sein (statt den angegeben 40 m hatte es nur 8 m).

Bei einige Gelegenheiten entschieden wir uns für küstenfernere Routen um enge, seichte Passagenn innerhalb des Aussenriffs zu vermeiden. Z. B. segelten wir von Puerto Escoses nach Mulatupu nördlich an Suledup, Nianega and Soskandup vorbei. Wir trauten uns auch nicht durch den seichten Kanal innerhalb der Isla Pinos, sondern segelten aussen um die Insel herum (wo wir mit dem Fang eines riesigen Barracuda belohnt wurden). Von Ustupu nach Isla Mono ließen wir die innere Route vorbei an Mamitupu, Achutupu, Islandia and Ailigandi ebenfalls aus. Bald wurde uns aber klar, dass küstenferne Umwege nicht unbedingt sicherer sind, denn weiter draußen gibt es noch weniger, noch ungenauere Tiefenangaben…

Einkaufen
Die Kuna Dörfer haben Minimarkets mit Grundnahrungsmitteln. In den meisten Dörfern wird in einem oder mehreren Häusern Brot gebacken, mangels Schildern muss man sich durchfragen. Uns schmeckte das Kunabrot (kleine Pizzateigstangerl), besonders nach Monaten nur mit süsslichem kolumbianischem Brot. In beliebten Ankerbuchten kommen regelmässig Kanus vorbei, die Gemüse, aber manchmal auch Bier und Fleisch anbieten. Die Haupteinkommensquelle der Kuna-Indios sind die ‘Molas’ – aufwändig bestickte, mehrlagige Tücher mit komplexen Motiven. Auch diese werden vom Kanu aus feilgeboten.

Internet
Cruiser verwenden 3G Modems und angeblich ist Digicel der beste (einzige?) Anbieter in Kuna Yala. Wir haben in Ustupu (in der Schule) WiFi gefunden, in Nargana konnten wir mit unserer Verstärkerantenne sogar von der Ankerbucht aus über den freien Hotspot surfen.

Panama City

Ankerplätze
Uns war die “Las Brisas” Ankerbucht (nördlich vom Causeway) eindeutig lieber als “La Playita” (südlich vom Causeway), obwohl Las Brisas bei Passatwind ziemlich rauh wird (das bedeutet spritzige, nasse Dinghifahrten…). Die Windsee ist aber im Vergleich mit den Lotsenboote und Ausflugsschiffen, die mit vollem Speed durch die Ankerbucht in Playita brausen noch das geringere Übel. Ausserdem verlangt die winzige Playita Marina 35 USD pro Woche für die Verwendung des Dinghidocks, das Dinghidock in Brisas ist zwar abenteuerlich (man zieht sich mit Hilfe eines wackeligen Boots an einer Endlosschnur vom Schwimmmsteg zu den Stufen am Ufer) aber gratis. Kanal 74 ist der Rufkanal und wird von den meisten Cruisern in beiden Ankerbuchten verwendet.

Einkaufen, Bootszubehör und Ersatzteile
Panama City ist DIE Gelegenheit um das Boot noch einmal vollzustopfen, bevor es auf den Pazifik hinausgeht. Der umfangreiche “Panama City Cruisers Guide” erklärt was es wo in der Stadt zu kaufen gibt. Download der letzten Version gibt’s bei der “The Southbound Group” bei Yahoo! Groups (man muss sich anmelden, um die Brochure herunterzuladen).
Die Bootszubehörgeschäfte haben viel Angelausrüstung und Zubehör für Motorboote, aber kaum Spezifisches für Segelboote (z. B. keine Blöcke…) Wir bestellten deshalb viele Teile aus den USA via Marine Warehouse (marinewarehouse.net), was gut funktionierte. Man muss sich in Panama immer mit Geduld wappnen: was auch immer man organisieren will, alles ist kompliziert und dauert lange.

Las Perlas Inseln

Navigation
Sobald man sich an die Gezeiten gewöhnt hat (bis zu 5 m Unterschied bei Springtiden) sind sie eine interessante Abwechslung. Wir waren von der ständig wechselnden Aussicht fasziniert: Felsen und Brücken zwischen Inseln tauchen auf und laden zum Wandern und Klettern ein, nur um wenige Stunden später wieder zu verschwinden. Die Tiden erleichtern auch das Erkunden von Ankerplätzen: man fährt die Bucht am besten bei steigender Tide an, sodass die Flut das Boot nach einer unabsichtlichen Grundberührung wieder aufschwimmen ließe. Sogar unkartographierte Gebieten lassen sich gleich nach Ebbe relativ gefahrlos erkunden. Bauhaus’ Karten sind bei diesen Inseln recht verlässlich.

Unsere Lieblingsplätze
Unser eindeutiger Lieblingsplatz in den Perlas waren die Isletas del Platanal, ein Tierparadies 1 Meile südlich der Insel Viveros. Die 3 kleinen Felsinseln sind in Bauhaus’ Karten nicht als Ankerplatz verzeichnet, in den Karten gibts auch keine Tiefendetails dazu, aber die Bucht ist frei von Untiefen und anderen Gefahren und bietet recht guten Schutz. Wir ankerten auf 08°26.546′N 079°00.452′W mit viel Wasser unterm Kiel in Sand/Schlick (der Anker hält also gut).

Ein weiterer schöner Ankerplatz ist südlich der Isla Cañas auf der Ostseite der Isla del Rey (Morro Cambombia) nahe dem hübschen, freundlichen Dorf Ensenada. Espiritu Santu ist auch schön und der Ankerplatz zwischen den Inseln superruhig. Ein hübscher Fluss mündet in den Kanal und lädt zu einer Dinghi-Erkundung ein.

Einkaufen, Kommunikation, etc.
Auf Contadora gibt es zwei Minimarkets und eine Tankstelle. Wir bekamen auch in zwei kleinen Dörfern auf Isla del Rey Gemüse und Früchte (nach Herumfragen bei den Einheimischen, direkt aus Gärten). In Ensenada waren die Leute hilfsbereit, unser Eindruck von Esmeralda war eher unfreundlich und dreckig.
Handy-Netz gibt’s scheinbar nur im Norden des Archipels (Antennen auf Contadora und Viveros). Auf Contadora fanden wir unverschlüsselte Hotspots.

Darien

Navigation
Bauhaus’ Karten der Flüsse scheinen alle verschoben. Nachdem Flüsse ihr Bett ständig verändern, sind Karten halt schnell überholt.
Achtung: die Bank in der Mite des Golfo de San Miguel um 08°11.64N 078°24.82W ist breiter und viel seichter (4-5m) als in der Karte (9-10m). Die hohe Dünung, die oft in den Golf steht, kann dort brechen, dann wird die Bank hochgradig gefährlich!

Ankerplätze
Von Contadora kommend erreichten wir den Golf am Nachmittag und ankerten eine Nacht bei der Isla Iguana (Felsgrund und ungemütlicher Seegang bei Nordwind wegen dem langen Einzugsgebiet und Strömungen). Am nächsten Tag fuhren wir auf einer steigenden Tide in den Rio Cucunati. Der Fluss ist tief und die Einfahrt kein Problem. Die Ankerplätze in den Bauhauskarten sind für uns zu seicht (Pitufa hat mehr als 2 m Tiefgang), deshalb ankerten wir weiter draussen auf 08°27.774′N 078°13.472′W und 08°26.709′N 078°13.173′W. Auch hier muss man immer im Hinterkopf behalten, wie extrem die Gezeiten bei Springtiden sind und genug Wasser unterm Kiel einplanen. Wir ankerten auch noch weiter oben im Fluss auf 08°31.053′N 078°13.310′W, der Fluss ist hier allerdings immer noch sehr breit und salzig. Dort besuchten wir eine Familie auf ihrer Finca, der Bauernhof liegt in den Hügeln östlich des Ankerplatzes. Wir waren allerdings über die fortgeschrittenen Rodungen entsetzt.

Der Eingang zum Rio Sucio schaut auf der Karte gefärhlich seicht aus, bei der Einfahrt bei halb fortgeschrittener Flut fanden wir allerdings genug Tiefe vor – sogar mehr als verzeichnet. Wir ankerten auf 08°29.861′N 078°19.776′W. Achtung: neben unserem Ankerplatz tauchten bei Ebbe nahe dem Westufer des Flusses nicht verzeichnete Schotterbänke auf. Dieser Fluss gefiel uns wesentlich besser. Er ist nicht so breit, somit ist der Ankerplatz besser geschützt, die Tier- und Pflanzenwelt war abwechslungsreicher.
Wir besuchten das traditionelle Indio-Dorf Caña Blanca mit dem Dinghi. Es befindet sich einige Meilen flussaufwärts im rechten Arm des Flusses. Das Dorf ist klein, aber sehr freundlich. Die Familie leben hoch oben auf Plattformen, drunter wohnen die Hunde, Schweine, Hühner, etc. Wir tauschten T-Shirts für Gemüse ein. Das Dorf hat erst kürzlich eine Straße bekommen, verliert also vielleicht bald seine Authentizität und Freundlichkeit, falls zu viele Touristen kommen.
Gemäss anderer Cruiser ist genau das in Dörfer entlang dem Rio Sabana schon passiert: die Einheimischen drängen den Besuchern ihre Körbe auf und sehen sie nur noch als Einkommensquelle. Kein Wunder, wenn Busladungen von Touristen regelmäßig ankommen.

Südlich des Golfo de San Miguel sind die Berge entlang der Küste hoch und spektakulär und die Buchten wunderschön.
Wir ankerten in der Bahia Piñas, wo die Tropic Star Lodge (Sportangler) liegt. Wir durften dort unsere Wasserkanister füllen und ihr WiFi verwenden.
In der Nachbarbucht liegt das große, freundliche Dorf Puerto Piñas, wo man Grundnahrungsmittel einkaufen kann (besonders gleich nachdem das Versorgungsschiff da war). Die Dinghifahrt ist wegen der hohen Dünung, die am endlos langen Strand gefährlich bricht, etwas abenteurlich. Es ist einfacher, in der Lodge nach einer Mitfahrgelegenheit mit dem Shuttleboot zu fragen, das die Arbeiter zwischen Dorf und Lodge mehrmals täglich hin- und herbringt.

Unser letzter Stopp in Panama war in der Ensenada Guayabo nahe der kolumbianischen Küste, wo wir auf 07°24.485′N 078°02.693′W ankerten und einen Heckanker ausbrachten, um den Bug in die Dünung zu halten.

Photogalerien

Kuna Yala -- die San Blas-Inseln

Im September und Oktober 2012 besuchten wir die mit Kokospalmen übersäten Inseln in Kuna Yala, einer autonomen Region in Panama, wo die Kuna Indios in ihren traditionellen Dörfern leben.

(50 Fotos)


Pitufas Fahrt durch den Panamakanal

Nach unserem 'Urlaub' im San Blas Archipel wollten wir uns in Portobelo in Reparaturen und Vorbereitungen auf die Kanaldurchfahrt stuerzen. Der Dauerregen im November bremste unsere Fortschritte bei diesen Projekten aber gehoerig und wir verbrachten den Grossteil unserer Zeit mit dem Kampf gegen Schimmel und dem Trocknen von unseren Sachen. Am 15. Dezember hatten wir den Termin fuer die Kanaldurchfahrt. Unsere vorherigen Aengste erwiesen sich als unbegruendet, alles ging glatt und wir kamen am 16. gluecklich und erleichtert 'auf der anderen Seite' an. Hurrah!

(30 Fotos)


Panama City und Las Perlas

Im Dezember 2012 verbrachten wir eine Weile in Panama City und segelten dann zu den Las Perlas mit Christians Schwester Roswitha.

(39 Fotos)


Darién, Panama

Im Februar 2013 bereiteten wir Pitufa in Panama City auf den Pazifik vor. Wir tauschten durch einen Blitzschlag in den San Blas beschädigte Elektronik aus, bestellten Unmengen an Ersatzteilen und füllten Pitufa mit Proviant voll. Dann erkundeten wir die Pazifikseite des Darién-Gebietes mit seinen Regenwäldern und Flüssen im Süden Panamas.

(50 Fotos)

Veröffentlichte Artikel


Birgit Hackl, Christian Feldbauer: Kuna Yala — Paradies mit Ecken und Kanten, OCEAN7 05 (September/Oktober) 2013, p. 24–29. download PDF (in German only)


Birgit Hackl: Las Perlas — Unspoiled Nature Near Panama City, All At Sea Caribbean, November 2013, p. 36–38. Free download from allatsea.net.


Birgit Hackl: The Darién–In the wake of discoverers and pirates, All At Sea Caribbean, January 2014, p. 80–84. Free download from allatsea.net.

Mehr Info findet sich in unseren Blogeinträgen von September 2012 bis März 2013.

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