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2015
02
Nov

Dramatisch ungemütlich

Wenn der Anker nach einer langen Überfahrt endlich fällt, das Boot aber weiterhin ungebremst herumschaukelt, dann weiß man, dass man in den Marquesas angekommen ist… Anders als die anderen Archipele Fr. Polynesiens haben diese Inseln keine schützenden Außenriffe und ihre Küsten und Buchten sind den Wellen und der mächtigen Dünung des Pazifik ausgesetzt. Während El Nino Jahren gelten sie als sicher, weil außerhalb des Zyklongürtels, somit sind wir froh, dass wir es pünktlich zum heutigen offiziellen Beginn der Saison hierher geschafft haben. In den Tuamotus gab’s kein anderes Thema mehr. Während der letzten starken El Nino Periode wurde Fr. Polynesien einige Male getroffen und die Medien haben mit ihrer Panikmache die gesamte Bevölkerung mobilisiert. Jeder erwartet das Schlimmste, Dächer werden mit Muringgewichten niedergespannt und sogar die Postbeamtin in Tikehau starrte mich ungläubig an, als ich nebenbei erwähnte, dass wir mit dem Segelboot dort wären. Wisst ihr denn nic
ht, dass die Zyklonsaison kommt?

Die Überfahrt hierher war nicht leicht und letzte Nacht war extra nervig mit vielen Squalls, die die Windrichtung schneller änderten, als wir kreuzen konnten (Scheisse, jetzt segeln wir genau auf unserem GPS Track zurück und können gleich noch einmal wenden…) und als der Wind dann auch noch einschlief, beschlossen wir gleich die nächste Insel anzulaufen, anstatt noch weitere 25 Seemeilen nach Nuku Hiva zu motoren. Somit sind wir jetzt zufällig wieder in der gleichen Bucht in Ua Pou angekommen, von der wir auf den Tag genau vor zwei Jahren Richtung Gambier weggesegelt sind. Eine Gruppe Delfine begleitete uns auf dem Weg herein.

Was den Ankerplätzen der Marquesas an Komfort mangelt, machen sie mit Drama und Stil wieder wett. Hier in Vaiehu an der Westküste von Ua Pou sind wir von vertikalen Klippen und hochragenden Felstürmen umgeben. Auf der Karte sieht die Bucht gut geschützt aus, aber der Schwell schafft es trotzdem irgendwie herein. Es sieht aus, als würde der Ozean erst tief Atem holen, die See zieht sich zurück, Felsen tauchen aus den Fluten auf, Wasser plätschert in unzähligen Kaskaden von den Ufern und dann drückt sich die Dünung in die Bucht, hebt erst das Boot sanft, um dann mit dröhnender Gewalt an den Felsen zu brechen, während das Wasser aus Blow Holes rundherum hoch spritzt. Ein dramatisches Schauspiel, das sich etwa zweimal pro Minute wiederholt, aber nie langweilig wird.

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