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2020
30
Sep

Nachtrag zum Thema Wildnis

Wir haben auf den gestrigen Blogeintrag einen Kommentar von Joachim (SY Atanga) bekommen (können wir ohne Internet nicht freischalten), der sinngemäß besagt, dass nur strikte, von der Regierung verordnete Ankerverbote das Problem lösen würden. Weiters die Frage, warum wir meinten, dass unser Besuch die Vogelkolonien nicht auch störe und warum wir uns nicht für den Schutz derselben einsetzten.

Hier deshalb ein Nachtrag zum Thema, um mehr Details und Hintergrund zu bieten:

Wir sind sehr darauf bedacht, dass unsere Anwesenheit keinen Störfaktor darstellt, beobachten aus der Ferne mit Feldstecher und Tele-Ojektiv. Viele andere Cruiser sind natürlich auch naturbewusst, aber leider sehen wir allzu viele Gegenbeispiele. Rücksichtslose oder einfach nur gedankenlose Segler ankern in Korallen, jagen auf abgelegenen Motus Kokoskrabben und Langusten ohne einen Gedanken an den Schutz dieser gefährdeten Arten oder gar nistende Vögel zu verschwenden. Wir haben gesehen, wie andere Crews ihre Hunde herumlaufen lassen, während ihre Kinder lärmend spielen und dann noch ein Lagerfeuer anzünden. Andere verbringen Tage am Strand und im seichten Wasser beim Kitesurfen. Das ist auf 95 % aller Motus in den Tuamotus auch völlig okay und kein Problem, da auf ‘gereinigten’ Motus mit Kokosplantagen ohnehin keine Tierwelt lebt, die man stören könnte. Auf den wenigen, verbliebenen Vogelmotus mit Laubbäumen und Büschen ist ein solches Verhalten aber nicht angebracht. Sogar ein harmloser, sicher nicht böse gemeinter Strandspaziergang kann für Küken tödlich enden – ein junges Maskentölpel-Küken, das ohne Schutz der Eltern auf dem heißen Sand in der prallen Sonne sitzt, stirbt binnen 15 Minuten. Bodenbrütende Arten (z.B. Weißbauch- und Maskentölpel, Tropikvogel, Russ-Seeschwalben) sind mittlerweile fast überall verdrängt worden.

Wir bemühen uns, Cruiser zu informieren, hängen Info-Zettel zum richtigen Ankern auf, schreiben Artikel und wenden uns direkt an Ankernachbarn (was uns nicht nur Freunde verschafft). Wir sind wie Joachim der Meinung, dass nur ein komplettes Zutrittsverbot (das leider dann alle trifft, auch Naturschützer) den notwendigen Schutz bringen würde. Die Kernzone eines Biosphären-Reservats (wie in der Commune von Fakarava, Aratika, Kauehi, Raraka, Niau, Toau und Taiaro) soll genau das bewirken, nämlich dass solche Motus völlig in Ruhe gelassen werden – theoretisch hat niemand Zutritt. Leider wird dies zu wenig exekutiert, bzw. nur teilweise und auf eher missverstandene Art (so wie wir davon abgehalten wurden, in Aratika über ein geschütztes Eck der Lagune zu segeln…). Weder in Fakarava, noch Aratika scheinen sich die Einheimischen an Verbote zu halten.

Es sind nämlich nicht nur Cruiser, die Schaden anrichten, die einheimische Bevölkerung zeigt oft noch weniger Umweltbewusstsein. Kopra-Arbeiter brennen nach wie vor Waldmotus ab, schleppen mit ihren Säcken Ratten und Nonos ein und stehlen sogar Eier und Küken. Boote besuchen geschützte Motus, um Kokoskrabben und Langusten (teilweise im große Stil für den Export) zu sammeln. Cruiser, die sich mit Kopra-Arbeitern anfreunden, werden oft eingeladen, bei diesem ‘traditionellen Lebensstil’ mitzumachen. Es stimmt, die Paumotu (Bewohner der Tuamotus) haben immer schon gejagt und gesammelt, früher belegten allerdings die Dorfältesten bestimmte Gegenden oder Arten zwischendurch mit einem Rahui (Bann, Verbot), sodass der Fortbestand gesichert war. Mit dem Kulturverlust der mit dem europäischen Einfluss einher ging, wurde diese Tradition leider fast überall vergessen.

Die Regierung sollte am besten die Tradition des Rahui wiederbeleben, oder mit modernen Regeln ersetzen. Die Bevölkerung muss aufgeklärt und informiert werden. Unglücklicherweise hört man aus Tahiti wenig zum Thema Umweltschutz und die Gesetze, die es gibt (Verbot Schildkröten zu jagen, Biosphären Reservate, etc), werden nicht umgesetzt.

Wir bemühen uns seit Jahren hier aktiv um Naturschutz, informieren Te Mana o te Moana (Organisation in Moorea) und senden Berichte an die Ornithologengesellschaft (SOP Manu, das ist auch der Grund für unseren Besuch hier). Wenn immer wir schützenswerte Motus auf Atollen finden (es gibt nur eine Handvoll unberührte Natur auf all den 78 Inseln des Archipels…), wenden wir uns an Verantwortliche (Bürgermeister, Lehrer, Schuldirektoren) um das Bewusstsein für Naturschutz zu stärken/wecken. Manchmal bekommen wir positives Feedback – den Einheimischen ist oft gar nicht bewusst, dass Vogelmotus etwas Besonderes sind und dass so manches Verhalten die Wildtiere vertreibt. Auf die Seltenheit ihrer Waldmotus hingewiesen, reagieren sie mit Stolz und dem Willen, diese für kommende Generationen zu erhalten (wie z.b. in Raroia).
Leider ist die Reaktion auch oft negativ, wie im Falle des Naturjuwels Tahanea, um dessen Schutz wir uns Jahre bemüht haben. Nachdem dieses Atoll jahrelang unbewohnt war, hatten sich wieder viele Spezies angesiedelt. Seitdem wieder vermehrt Kopra dort gemacht wird, sehen wir jedes Jahr weniger brütende Paare. Wir haben uns and den Bürgermeister in Faaite gewandt, Umweltschutzorganisationen informiert und sogar das Umweltministerium bedrängt – leider ohne Erfolg, das Atoll gehört dem Nachbaratoll Faaite, die dürfen es rücksichtslos ausbeuten.

Wir sind nach wie vor auf der Suche nach unberührter Natur, werden oft enttäuscht, freuen uns aber umso mehr, wenn wir unberührte Motus finden, die geschützt werden (wie hier).

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