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2026
07
May

Hürdenlauf für jede Erledigung auf den Philippinen

Kennst ihr den Queen-Song „I’m Going Alightly Mad“? Ich summe und singe ihn in letzter Zeit immer öfter vor mich hin. Ich bin ein schneller und effizienter Mensch, somit macht es mich wahnsinnig, wie umständlich und zeitaufwändig sich jede kleinste Erledigung auf den Philippinen gestaltet.

Hier ein Beispiel: Ich habe seit einiger Zeit Probleme mit meinen Augen. Nach einer Laserkorrektor vor 20 Jahren bin ich langsam wieder kurzsichtig geworden. Dazu kommen massive Glaskörpertrübungen und Schleier vor den Augen sowie eine beginnende altersbedingte Weitsichtigkeit. Das verursacht mir Kopfschmerzen und macht es mir unmöglich, am Computer zu arbeiten, somitb wollte ich einen Spezialisten aufsuchen, um die Behandlungsmöglichkeiten zu besprechen.

Ich rief in einer Klinik in Cebu an und bekam einen Termin für letzten Mittwoch um 11:30 Uhr. Also war ich um halb neun unten an der Straße, um auf den Bus zu warten, weil die Fahrt über die holprige und staubige Straße bis zum Stadtrand etwa anderthalb Stunden dauert. Dann braucht man noch einmal eine halbe Stunde im Stop-and-Go-Verkehr bis in die Stadt und schließlich noch einmal eine Stunde, um von einem Stadtteil Cebus zum anderen zu gelangen.

Ich kam also um 11 Uhr in der Klinik an, nur um zu erfahren, dass der Arzt heute in einer anderen Filiale Patienten behandle – diesmal nahm ich ein Taxi. Um 11:30 Uhr wurde mir dann gesagt ich sollte mich anstellen, um eine Nummer zu bekommen. Dann hieß es: „Kommen Sie um 14 Uhr wieder.“ Ich vertrieb mir zwei Stunden in der Gegend (keine Zeit für irgendwelche Erledigungen in anderen Stadtteilen), kam um 14 Uhr wieder, wartete bis 15 Uhr, bis ich endlich aufgerufen wurde. Eine oberflächliche Untersuchung, Augentropfen zur Pupillenerweiterung, wieder eine Stunde Wartezeit, dann um 16 Uhr eine weitere Untersuchung und den Rat, mir eine Lesebrille zu besorgen – nicht gerade die fachkundige Meinung, die ich mir erhofft hatte. Außerdem war an diesem Tag kein Optiker in der Klinik, also wurde ich gebeten, ein anderes Mal wiederzukommen. Toll, mitten im Berufsverkehr und mit einem weiteren Bus nach Carmen kam ich erst um 20:30 Uhr heim: 12 Stunden verschwendet.

Wozu überhaupt Termine vereinbaren, wenn es doch eine Warteschlange gibt? Warum nicht einfach telefonisch Termine vergeben, im 20-Minuten-Takt, damit man wie in jedem anderen Land pünktlich zum Arzt kommt?

Am nächsten Tag wurde ich recht schnell vom Optiker bedient, bekam mein Brillenrezept, suchte mir ein Gestell aus und wollte mit Karte zahlen, was aber nicht möglich war, obwohl die Praxis Kartenzahlung akzeptiert – nur eben nicht für Brillen. Die Geldautomaten in der Nähe funktionierten nicht, also gab ich auf.

Ein weiterer Versuch bei einem anderen Optiker näher an Carmen war erfolgreicher. Nach etwa zwei Stunden konnte ich mir endlich die Gläserqualität aussuchen, “beraten” von zwei Damen, die hinter dem Tresen kichernd den Eindruck erweckten, dass sie ihre Preislisten selber gerade erst das erste Mal durchschauten… Meine Frage, ob sie mir Tageslinsen bestellen könnten, führte zu einer halben Stunde Telefonate: Ja, sie könnten bestellen, aber nur in großen Mengen; nein, eigentlich nur zwei Packungen; nein, die seien nicht verfügbar; und ob ich denn „ein Beispiel meiner vorherigen Linsen“ hätte? Was bitte für ein Beispiel? „Vielleicht ein Foto von der Box?“, fragten sie. Das war der Moment, wo ich mich umdrehte, um nach der verstecken Kamera zu suchen.
Aber nein, kein Witz. Nur der ganz normale Wahnsinn auf den Philippinen…




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