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2026
01
Sep

Alles für die Katz: Squeaky hat ein gebrochenes Hinterbeinchen

Endlich waren wir aus der stinkigen Carmen-Lagune und genossen das klare Wasser; unsere Katzen fanden gleich ihre Seebeine – sie hatten weder vor dem lärmenden Motor noch vor dem Segeln Angst –, und wir freuten uns sehr, auf dem Weg nach Borneo (Malaysia) zu sein. Als das AIS ausfiel, reparierten wir es; als der Wassermacher streikte, tauschten wir die Membranen aus. Doch dann begann der Motor Öl zu verlieren – ein gröberes Problem, denn Christian kann zwar die meisten Dinge an Bord reparieren, ist aber kein gelernter Mechaniker, und wir haben auch nicht alle Ersatzteile vorrätig. Daher überlegten wir, nach Carmen zu dem Mechaniker zurückzusegeln, wo wir gerade erst ein 5000er Service an unserem Yanmar machen hatten lassen.

Am Samstagabend spielten wir mit allen drei Katzen an Deck Fangen und Verstecken, danach gingen wir ins Bett und verbrachten eine ruhige Nacht vor Anker. Doch in der früh war gleich etwas merkwürdig: Minnie sprang aufs Bett, um uns fürs Frühstück zu wecken, und Smurfy wartete in der Küche – von Squeak fehlte jedoch jede Spur, obwohl er normalerweise der Erste ist, der lautstark sein Frühstück einfordert. Ich rief ihn, keine Antwort. Ich hastete durch das ganze Boot – kein Squeak. Schnell auf Deck, mittlerweile verzweifelt, keine Antwort. Ich befürchtete schon, er sei in der Nacht über Bord gegangen. Jetzt in heller Panik suchten wir das Boot noch einmal ab, und diesmal wurden wir fündig: Er lag zusammengerollt hinter einem Segel in der Bugkabine. Er versuchte aufzustehen, fiel aber sofort wieder um, sein linkes Hinterbeinchen knickte weg.

Die Wettervorhersage kündigte stetigen Südwind für die 40 Seemeilen nach Carmen an; also setzten wir die Segel (ohne den Motor zu starten – der war wegen des Ölverlusts nur für Notfälle gut) und rauschten unter Schmetterling die Küste von Cebu hinauf. Nach unserer Ankunft am Nachmittag kam unsere Freundin Pam von windvet.com zu uns an Bord und führte gemeinsam mit Matthias – einem weiteren Freund im Ankerfeld, der vor seinem Seglerleben Orthopäde für Menschen war – eine erste Untersuchung durch. Beide waren sich einig, dass Squeak geröntgt werden musste. Wir telefonierten herum, konnten aber keine am Sonntag geöffnete Klinik finden. Am Montag machten wir uns mit dem Taxi auf die Suche nach Hilfe; nach Besuchen bei drei Tierärzten in drei verschiedenen Orten fanden wir schließlich eine Praxis, die über ein Röntgengerät verfügte und auch Betäubungsmittel hatte. Bis dahin hatten wir noch auf eine einfache Bänderzerrung gehofft – Squeak war so tapfer gewesen, war auf drei Beinen herumgehumpelt und hatte sich ansonsten ganz normal bewegt –, doch als das Bild auf dem Bildschirm erschien, wurde es still im Raum: Der Oberschenkelknochen war nicht nur gebrochen, sondern auch völlig verschoben.

Der örtliche Tierarzt überwies uns an einen auf Orthopädie spezialisierten Tierarzt in Cebu City; also mieteten wir am nächsten Tag ein Auto und brachten den kleinen Kater in die Stadt, in eine beeindruckende, hochmoderne und überaus exklusive Klinik. Der äußerst kompetent wirkende Tierarzt führte eine gründliche Untersuchung sowie weitere Röntgenaufnahmen und ein großes Blutbild durch. Er erklärte sich bereit, den Oberschenkelbruch mittels Platte und Schrauben zu versorgen – allerdings nicht sofort, da noch Vorbereitungen getroffen werden mussten; wir erhielten einen Termin für den nächsten Tag, Mittwoch. Er wollte Squeaky zwar in der Klinik behalten, doch wir wussten, dass der Kleine vor all den fremden Menschen schreckliche Angst haben würde. Also nahmen wir den armen, zitternden Squeak wieder mit nach Hause – wo Minnie schon sehnsüchtig wartete; sie machte sich große Sorgen um ihren kleinen Squeak und putzte ihn von Kopf bis Pfote, um ihn zu trösten, noch bevor er überhaupt aus dem Transportkorb klettern konnte.

Am nächsten Morgen gab es für Squeak kein Frühstück; es ging wieder in die Stadt (während Minnie an der Reling stand und ihm hinterherheulte), und dann mussten wir ihn in der Klinik lassen. Am Nachmittag endlich der Anruf: Alles war gut verlaufen, die Platte war eingesetzt, und der Patient wachte bereits auf. Er sollte zwei Tage lang Infusionen mit Schmerzmitteln und Antibiotika erhalten, und am Freitag durften wir ihn endlich nach Hause holen (diesmal fuhr ich mit dem Bus hin – eine dreistündige Fahrt – und mit dem Taxi zurück, noch einmal drei Stunden im dichten Verkehr…).
Gekostet hat die OP samt Klinikaufenthalt etwa 1.300 Euro – mehr als wir in Europa gezahlt hätten und definitiv mehr als sich Normalverbraucher auf den Philippinen (und ehrlich gesagt eigentlich auch mehr als wir uns nach dem Werftaufenthalt) leisten können.

Squeaky ist sehr tapfer und erholt sich gut – eigentlich sogar ein bisschen zu gut, denn er läuft und rennt schon wieder herum („nur nicht zu schnell und nirgendwo dagegen laufen“, hatte der Tierarzt gesagt). Deshalb sind wir den ganzen Tag hinter ihm her, um auf den kleinen roten Kater aufzupassen, während seine Knochen heilen. Er frisst wie ein kleiner Wolf und ist glücklicherweise ein sehr geduldiger Patient: Er sieht zu, wie ich morgens und abends eine Spritze mit Schmerzmitteln und eine weitere mit Antibiotika-Sirup aufziehe, und er läuft weder weg noch protestiert er, wenn ich ihn am Nacken fasse, um ihm die Medikamente ins Maul zu geben… Damit er sich die Fäden nicht herausreißt, muss er eine Halskrause tragen (die wir ihm beim Fressen, beim Putzen sowie beim Spielen am Morgen und Abend abnehmen), was er geduldig über sich ergehen lässt.

Wir hatten auch eine Kunststoffbox gekauft, in der Hoffnung, ihn dort nachts und während unserer Abwesenheit unterbringen zu können. Doch leider dreht er völlig durch, sobald wir ihn einsperren. In der ersten Nacht stellten wir die Box zu uns ins Bett, aber er versuchte, sich einen Fluchttunnel durch die Matratze zu graben… Wir änderten unseren Plan und sichern ihn stattdessen mit Harness am Bett, sodass er zwischen uns schlafen kann, aber die Leine hindert ihn daran auf den Boden zu springen (1 Meter wäre zu hoch; der Tierarzt gab uns ein Limit von einem halben Meter). Mit dieser Lösung ist er zufrieden; er kuschelt sich an uns und schnurrt viel. Morgens meldet er sich, wenn er muss (gegen 5 Uhr – eine durchaus akzeptable Zeit, um der ganzen Tiger-Bande das Frühstück zu servieren).

Das größte Risiko ist unser hoher Niedergang. Er darf in den nächsten vier Wochen nicht die 1,60 m nach unten springen; deshalb schließen wir den Niedergang, wenn wir morgens und abends mit der ganzen Meute an Deck sind. Minnie kümmert sich rührend um Squeak und überschüttet ihn mit Liebe, während Smurfy grantelt und eifersüchtig ist – wir versuchen also, ihm mehr Aufmerksamkeit zu schenken, und in den wenigen Pausen dazwischen erledigen wir ein paar Arbeiten am Boot ;-)

Unser oberstes Ziel ist es nun, den kleinen Squeak sicher zu halten während die Knochen heilen. Alle Cruising-Pläne sind auf Eis, und wir haben wieder offiziell auf den Philippinen eingeklariert.

Vor dem Unfall: quietschvergnügte Matrosen und Helfer


Minnie hat sich beim Zurücksegeln um Squeak gekümmert:


Zur Klinik

Endlich heim!


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