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2015
01
Feb

Geburt und Sterben von Inseln

Hier draussen auf dem Pazifik ist Geologie keine graue Theorie, die annodazumals passierte, sondern ein sogar fuer Laien offensichtlich fortschreitender Prozess. Kontinentalplatten bewegen sich, der Meeresboden hebt sich und aus einer Tiefe von etwa 3000 m hebt sich eine neue, aktiv vulkanische Insel (wie Fernandina am Westende des Galapagos-Archipels). Die schroffen Klippen heben sich weiter und weiter in den Himmel und eine ueppige Vegetation entwickelt sich aus dem fruchtbaren Boden, waehrend der Ozean ungehindert an die Kueste brandet (wie auf den Marquesas). Im tropischen Meer beginnen Korallen um die Inseln zu wachsen, die irgendwann ein Saumriff mit einer Lagune dahinter bilden (wie auf den Gesellschaftsinseln). Nach einiger Zeit sinken die hohe Berge wieder in die See zurueck, bis nur noch die Gipfel herausragen, waehrend das Saumriff zu einer weit draussen liegenden Barriere mit Motus drauf wird (wie hier in den Gambier). Irgendwann verschwinden die Berge ganz und n ur ein Korallenring mit Motus bleibt zurueck (wie auf den Tuamotus). Manchmal hebt sich aber auch der Boden unter einem Atoll wieder und der Korallensockel wird aus dem Meer gehoben (wie Henderson, ein Teil der Pitcairn Gruppe). Das Aussenriff der Gambier sinkt langsam zurueck ins Meer, im Osten und Sueden ist es schon ganz unter Wasser, nur im Norden ist es noch eine durchgehende Motu-Barriere. Der stuermische Pazifik donnert erbarmungslos gegen solche Oasen auf dem weiten Ozean. Wir waren ziemlich ueberrascht, als wir diesen Sommer nach Tauna (unserem ersten Motu und immer noch eins unserer liebsten) zurueck kamen und feststellten, dass die mehrere hundert Meter lange Sandbank, die sich von der Insel erstreckte verschwunden war und das Motu selbst ziemlich zerzaust und um einiges kleiner aussah. Ein starker Fruehlingssturm hat diesen Schaden angerichtet. Erinnert ihr euch noch an den Blog mit dem Nachruf auf unser Dingi, das in Tahiti von einem Frachter ermordet wurde? Das beigefuegte Foto zeigte genau diese Sandbank und sie muss die Wasseroberflaeche ungefaehr zur gleichen Zeit verlassen haben, wie unser Dingsi… Wir haben unseren Freund Herve, der hier auf den Gambier aufgewachsen ist, gefragt und er erinnert sich an mehrere Motus, die seit seiner Kindheit verschwunden sind, also spielt sich Geologie hier wirklich in kurzen Zeitspannen ab (etwa 30 Jahre her). Wir sind jetzt wieder zurueck bei Tauna, geniessen das geschrumpfte, aber immer noch bezaubernde Motu mit seinen Kolonien von Feenseeschwalben, Noddis, Eilseeschwalben, einigen Rotfusstoelpel und Fregattvoegeln.

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