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2020
22
Sep

Biosphären-Reservat? Verarschung…

Wir sind vor ein paar Tagen nach Aratika gesegelt. Schon beim als wir an der Westküste entlang aufwärts segelten, waren wir über den fehlenden Flugverkehr enttäuscht – außerhalb einer Biosphäre hätten wir uns ein paar Vögel erwartet. Nachdem wir durch den Pass motort waren, änderten wir den Kurs, um so hart am Wind wie möglich in die SO-Ecke zu segeln. Ein Boot mit Einheimischen holte zu uns auf und uns wurde gesagt, dass es verboten sei, über die Lagune zu segeln. Alles ‘da unten’ sei Teil der Biosphäre und verboten. Als wir fragten, ob wir denn auf der Ostseite ankern dürften, bejahten sie, wir müssten allerdings erst direkt nach Osten fahren und erst dann der Küste entlang nach unten. Wir versuchten zu erklären, dass ein Segelboot nicht gegen den Wind segeln kann und dass wir stattdessen wenig umweltfreundlich motoren würden müssen, stießen aber auf Unverständnis. Gesetz ist Gesetz. Wir fragten nach, welchen Schaden wir beim Segeln verursachen würden, bekamen aber keine Erklärung. Scheinbar wird hier das Wasser davor geschützt, von Segelbooten überfahren zu werden. Hmmm.

Wir motorten also brav nach Osten und segelten dann südwärts entlang der Ostkosten, durch eine ‘Übergangszone’, die (laut Biosphären-Karte) so etwas wie glückliche Co-Existenz von Natur und Mensch darstellen solll. Wir sahen ein paar Büsche zwischen den Palmplantagen und ein paar Tölpel und Seeschwalben, aber nicht viele, da auf fast allen Motus ein Haus steht.

Heute segelten wir auf die Nordseite, um die Mairie (Gemeinde) zu besuchen und nachzufragen. Die neu gewählte Bürgermeisterin empfing uns superfreundlich und war überrascht, dass wir unsere Kurtaxe zahlen wollten (scheinbar sind wir die ersten, die sich heuer freiwillig erboten haben, es kommen aber auch nur etwa 10 Boote pro Jahr vorbei). Wir fragten nach der Biosphären-Reserve und gemeinsam mit dem ebenfalls sehr netten Polizisten erklärte sie uns, dass die Südwestküste (samt ein paar Motus) eine strenge Verbotszone sei. Dort darf also niemand hin? Niemand – ausgenommen natürlich die Einheimischen, wenn sie ein Picknick machen wollen oder so. Oder so? Naja fischen dürfen sie dort auch, aber halt nicht zu viele Fische. Aha. Könnten wir auch hinfahren? Nein, Segelboote dürfen nicht hin. Hmmm.
Und wieso darf man nicht über die Lagune segeln? Auf der Karte ist nämlich nur ein schmaler Streifen entlang der Küste Verbotszone, die restliche Lagune im Süden zeigt die selbe Farbe und Kategorie wie der Ozean zwischen den Atollen der Commune Fakarava. Nein, über die Lagune segeln ist verboten. Aha und warum? Dort sind viel Korallenköpfe, ach ja und viele Perlfarmkollektoren (Plastikwuschel an denen sich Perlmuschellarven ansetzen sollen).

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass in dieser Biosphären Reserve für die Einheimischen alles erlaubt ist und die Wildtiere vor einer Handvoll Segelboote geschützt werden. Wir nehmen an, dass die Biosphären-Beauftragte (ja genau, die Frau, die uns am ersten Tag beim Überqueren der Lagune aufhielt) nicht wollte, dass Fremde die Perlfarminstallationen in der Biosphäre sehen. Ach ja, und wir haben nachgefragt: die zahlreichen Fischfallen im Westpass gehören ihrer Familie und die Fische werden nach Tahiti exportiert…
Ein Biosphären-Status ist also weniger Naturschutz, als ein Mittel an Budget zu kommen. Uns wurde gesagt, dass Ankern hier (für Segelboote) verboten sei und wir wurden angewiesen, die von Tahiti installierten (und sicher teuren) 14 Bojen zu verwenden (2 am Westpass, 5 beim Dorf im Norden, 4 beim Ostpass und weitere entlang der Ostküste).

Nach dem Besuch im Dorf sind wir in die Nordostecke gefahren und haben dort brav eine Muring genommen – leider ist sie so weit draußen in der Lagune, dass wir keinen Windschutz vom Motu haben und zwischen Schaumkronen stehen. Hmmm.

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